Mit verschiedenen Aktionen setzen Unternehmen und Organisationen zum Diversity-Tag ein klares Zeichen für Vielfalt und Toleranz in der Arbeitswelt. Als Unterzeichnerin der Charta der Vielfalt findet es die BBW-Leipzig-Gruppe besonders wichtig, die Chancen von Vielfalt öffentlich hervorzuheben und zu feiern. Initiiert wird der Deutsche Diversity-Tag von der Charta der Vielfalt e.V.
Diversity-Tag 2026
Anlässlich des 14. Diversity-Tages am 19.05.2026 steht das Thema Sexismus im Fokus. Sexismus zeigt sich in unterschiedlichen Lebensbereichen – teils offen, häufig jedoch subtil und im Alltag verankert. Er betrifft Menschen in verschiedener Weise und beeinflusst unter anderem Chancen, Gesundheit, Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe.
Die folgenden Beiträge beleuchten unterschiedliche Facetten von Sexismus, unter anderem in der Medizin, im Arbeitskontext, im Design, in Beziehungen und im Alltag sowie im Zusammenhang mit Körperbildern. Sie verdeutlichen, wie strukturell verankert geschlechtsspezifische Ungleichheiten weiterhin sind und welche Auswirkungen sie haben können.
Ziel der Zusammenstellung ist es, verschiedene Perspektiven sichtbar zu machen und zur Auseinandersetzung mit dem Thema beizutragen.
Wenn eine Frau über Schmerzen im Oberbauch und im Nacken, Kurzatmigkeit, Übelkeit und Schweißausbrüche klagt, wird selten gleich an einen Herzinfarkt gedacht. Wenn ein Mann äußert, dass er plötzlich stechende Schmerzen in der Brust, die in den linken Arm ausstrahlen hat, schrillen sofort die Alarmglocken: Herzinfarkt! Tatsächlich beschreiben beide Szenarien typische Symptome für einen Herzinfarkt. Die Symptomatik bei Frauen ist allerdings weniger bekannt und wird häufiger fehldiagnostiziert. Frauen bekommen bei Herzinfarkten deshalb später Hilfe und sterben dadurch häufiger an den Folgen eines Herzinfarkts als Männer.
Dieses Beispiel beschreibt den „Gender Health Gap“, die „geschlechtsspezifische Gesundheitslücke“. Das bedeutet, dass die Medizin wenig über Frauen, inter*, trans* und nichtbinäre Personen weiß, nämlich über Entstehung, Verlauf und Symptome von Krankheiten sowie die beste Behandlung und die Wirkung von Medikamenten. In der Geschichte forschte die Medizin vor allem an Männern. Jahrzehntelang galt ein Mann mittleren Alters ohne hormonelle Besonderheiten als Maßstab – der sogenannte „Normpatient". Was dabei herauskam, sind Wissenslücken, die bis heute spürbar sind. Krankheiten, die bei Frauen anders verlaufen oder sich anders äußern, wurden nicht ausreichend erforscht. Was nicht untersucht wurde, konnte auch nicht erkannt werden – und das hat reale Konsequenzen für Diagnosen und Behandlungen heute. An den meisten Studiengängen für Medizin in Deutschland wird die geschlechtsspezifische Medizin noch immer nicht gelehrt, denn diese ist nicht Teil des offiziellen Lehrplans.
Auch Medikamente wurden lange Zeit nur an cis männlichen Personen getestet (cis bedeutet, dass sich die Person dem Geschlecht zugehörig fühlt, das ihr bei der Geburt zugeschrieben wurde). Erst seit 2005 ist es in Europa Pflicht, auch cis Frauen zu testen. Trotzdem bleibt ihr Anteil in solchen Studien klein, da so Kosten gespart werden. Für Trans*, inter* und nichtbinäre Personen gibt es keine solche Regelung.
Diese Forschungsdaten sind jedoch notwendig, denn Frauen reagieren anders auf Medikamente als Männer. So verkürzt zum Beispiel der Wirkstoff „Digoxin“ zur Behandlung von Herzschwäche und bestimmten Herzrhythmusstörungen das Leben von Frauen. Das von Männern jedoch nicht. Das Antidepressivum „Fluvoxamin“ führt bei derselben Dosis zu einem 70 bis 100 Prozent höheren Blutspiegel als bei Männern. Das führt dazu, dass mehr vom Wirkstoff im Blut verbleibt - in einem Maß, das zur Überdosis werden kann. Vergleichbares Wissen ist für trans*, inter und nichtbinäre Personen kaum vorhanden. Darüber hinaus sind Krankheiten, die ausschließlich Frauen betreffen, bislang schlecht erforscht, obwohl viele stark darunter leiden. Das betrifft die Wechseljahre, Endometriose und das prämenstruelle Syndrom (PMS).
Für trans* Personen¹, inter* und nichtbinäre Personen kommt zur fehlenden Aufklärung im Medizinstudium und wenig Forschungswissen weitere Benachteiligung hinzu. Sie müssen bürokratische und finanzielle Hürden meistern, bis sie eine transitionsspezifische² Versorgung erhalten. Außerdem meiden trans*, inter* und nichtbinäre Personen oft den Gang zur Arztpraxis, weil sie dort Diskriminierung erfahren.
Quellen:
www.quarks.de/gesundheit/medizin/gender-health-gap/
www.tagesschau.de/wissen/gesundheit/geschlechter-medizin-herzinfarkt-100.html
www.aerzteblatt.de/archiv/geschlechtermedizin-in-der-lehre-bislang-nur-punktuell-integriert-6490c885-b885-42fa- 8839-4446b0ba6f32
www.bundesverband-trans.de/wp-content/uploads/2023/04/ policypaper2_gesundheit_v5-web.pdf
¹ Trans* Personen: Personen, die sich nicht oder nicht vollständig dem Geschlecht zugehörig fühlen, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde.
² Transition: Prozess, in dem eine Person ihr äußeres Erscheinungsbild, ihren Körper und/oder ihren sozialen Alltag an ihre Geschlechtsidentität
Das Thema Sexismus im Arbeitskontext gehört nicht der Vergangenheit an. Viele haben am Arbeitsplatz selbst Sexismus erfahren, sexistischen Handlungen beigewohnt oder sich selbst sexistisch geäußert – vielleicht ohne es zu merken. Denn Sexismus ist oft subtil. Viele Frauen haben zum Beispiel schon erlebt, dass ihre Ideen in Teamsitzungen überhört und anschließend von einem männlichen Kollegen kopiert werden. Aber auch eindeutiger Sexismus wie anzügliche Blicke oder Witze bis hin zu „zufälligen“ Berührungen kommen vor.
Was bedeutet Sexismus überhaupt? Kurz gesagt ist es die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Sexismus kann sich gegen alle Geschlechter richten. Meist sind jedoch Frauen betroffen und auch Personen, die sich nicht zweigeschlechtlichen Vorstellungen von Geschlecht zuordnen lassen.
Wir alle denken immer noch viel zu sehr in Geschlechterstereotypen, oft ohne es zu merken. Das betrifft auch die Arbeit. Dadurch bekommen bestimmte Personen immer wieder dieselben Aufgaben oder werden anders behandelt. Wir haben einige Beispiele aus dem Arbeitskontext gesammelt.
Fürsorgearbeit im Team
Hierzu zählen unbezahlte organisatorische Aufgaben wie Küche sauber halten, Kaffeevorrat auffüllen, Pflanzen gießen, Geschenke und Team-Events organisieren. „Kannst du Protokoll führen? Frauen sind da strukturierter.“ „Du denkst immer an alles!“ „Kannst du das mal schnell übernehmen?“
Grenzüberschreitungen
Das Aussehen zu bewerten ist im Arbeitskontext unangebracht, selbst wenn es scheinbar Komplimente sind. „Du siehst aber heute schick aus, hast du ein wichtiges Meeting?“, „Erklär du das mal dem Kunden, du bist so charmant.“ „Man sieht dir dein Alter gar nicht an!“
Persönliche Fragen haben am Arbeitsplatz nichts zu suchen: „Wann willst du eigentlich Kinder bekommen?“ oder gar „Bist du schwanger?“
Auch körperliche Nähe gehört zu dieser Kategorie. Unnötig nahes Herantreten beim Sprechen, Hand auf die Schulter legen ohne Zustimmung, Umarmungen, obwohl kein persönliches Verhältnis besteht oder auch „zufälliges“ Berühren im Vorbeigehen sind nicht in Ordnung.
Ein respektvoller und diskriminierungsfreier Arbeitsplatz entsteht nicht von allein – er braucht Aufmerksamkeit und die Bereitschaft aller, eigenes Verhalten zu reflektieren. Das bedeutet, Sexismus nicht zu verharmlosen, sondern ihn anzusprechen und Grenzen zu respektieren. Wer solche Situationen beobachtet, kann unterstützend eingreifen, und wer betroffen ist, sollte ernst genommen werden. Nur wenn wir gemeinsam hinschauen, zuhören und Veränderungen anstoßen, kann ein Arbeitsumfeld entstehen, in dem sich alle unabhängig von Geschlecht sicher, respektiert und wertgeschätzt fühlen.
In diesem Artikel wenden wir uns Dingen zu, die wir im Alltag nutzen. Denn tatsächlich können Gebrauchsgegenstände sexistisch entworfen sein und Frauen benachteiligen! Hier sind einige Beispiele:
Was haben Smartphones und Klaviertastaturen gemeinsam? Beide sind zu groß für die durchschnittliche Frauenhand. Viele kennen das Problem, beim Smartphone beide Hände nutzen zu müssen, weil der Daumen beim Halten nicht an die entfernten Ecken der Tastatur reicht.
Ein weiteres Beispiel sind Frauentoiletten: Diese haben zwar oft die gleiche Größe wie Männertoiletten, allerdings können sie von weniger Personen gleichzeitig genutzt werden, weil es nur Kabinen und keine Stehtoiletten gibt. Oft muss auch noch ein Wickeltisch Platz finden. Der Effekt sind lange Schlangen und Wartezeiten für Frauen. Ein gutes Beispiel dafür, dass gleich nicht immer fair bedeutet.
Sexistisches Design kann sogar lebensgefährlich werden! Airbags sind für Männer optimiert, weil sie nur an männlichen Dummys getestet werden. Auch die meisten Medikamente, vom herkömmlichen Schmerzmittel bis zum Antibiotikum, werden nur an Männern und an männlichen Tieren getestet. Ob Frauen andere Nebenwirkungen haben oder eine andere Dosis benötigen, ist deshalb oft nicht bekannt.
Frauen zahlen drauf. In der Drogerie werden viele Produkte in zweierlei Verpackung verkauft: einmal für Frauen, einmal für Männer. Studien haben gezeigt, dass Produkte für Frauen teurer verkauft werden als identische Produkte für Männer. Das gilt auch für den Friseurbesuch. Das Phänomen wird „Pink Tax“ oder „pinke Steuer“ genannt.
Mehr Infos:
Pink Tax: Wenn Frauen mehr fürs Gleiche zahlen | Verbraucherzentrale.de
Sexismus ist nichts, das ausschließlich individuelle Personen durch ihre Handlungen ausdrücken. Es ist ein Prinzip, das in den meisten Lebensbereichen wirkt. Vieles ist auf den ersten Blick gar nicht sichtbar, kann aber große Auswirkungen auf das Leben von Betroffenen haben.
Ein Paar organisiert seinen Alltag: Beide gehen arbeiten, beide kümmern sich um den Haushalt und die Kinder. Auf den ersten Blick wirkt dieses klassische Rollenbild von Mann und Frau in einer Familie gleichberechtigt. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich oft ein anderes Bild. Zwar übernehmen Männer heute häufiger Aufgaben im Haushalt oder in der Kinderbetreuung, dennoch liegt die Hauptverantwortung in vielen Familien weiterhin bei den Frauen.
Häufig sind es Frauen oder Mütter, die Mahlzeiten planen, Einkäufe organisieren, Arzttermine vereinbaren und die Kinder dorthin begleiten. Sie behalten Kita- und Schultermine im Blick, gehen zu Elternabenden, kaufen Kleidung, sortieren diese aus und kümmern sich um Geschenke für Familie und Freund*innen. Auch Urlaube werden oft von ihnen recherchiert und gebucht, inklusive aller nötigen Unterlagen. Hinzu kommt die Koordination von Terminen im Familienkalender sowie emotionale Arbeit: Konflikte begleiten, Stimmungen auffangen und für Ausgleich sorgen.
Diese meist unsichtbare Organisations- und Denkarbeit wird als „Mental Load“ bezeichnet. Hier wird deutlich: Nicht nur Aufgaben sind ungleich verteilt, sondern vor allem die Verantwortung dafür. Solange Männer „mithelfen“, bleibt die Zuständigkeit meist bei den Frauen.
Viele Frauen erleben diese Ungleichheit besonders deutlich in ihrer ersten Partnerschaft mit einem Mann oder mit der Geburt des ersten Kindes. Denn gesellschaftliche Erwartungen an Mütter und Väter sind nach wie vor unterschiedlich. Frauen übernehmen im Schnitt deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit – rund 87 Minuten täglich mehr als Männer. Dazu zählen neben Haushalt und Kinderbetreuung auch die Pflege von Angehörigen sowie emotionale Unterstützung im sozialen Umfeld. Diese Zeit fehlt für Beruf, Erholung oder eigene Interessen.
Mit der Geburt eines Kindes verstärken sich diese Unterschiede oft weiter. Mütter beziehen im Durchschnitt 11,6 Monate Elterngeld, Väter nur 2,8 Monate. Auch Teilzeitarbeit ist bei Frauen deutlich verbreiteter (49 % gegenüber 12 % bei Männern). Das hat langfristige Folgen wie geringere Einkommen, schlechtere Karrierechancen und ein höheres Risiko für Altersarmut.
Zusätzlich erleben viele Frauen Benachteiligungen im Berufsleben, etwa bei Bewerbungen oder Beförderungen, besonders im Zusammenhang mit (potenzieller) Elternschaft. Mutterschaft und Karriere gelten in vielen Bereichen noch immer als schwer vereinbar, während dies für Väter selten infrage gestellt wird.
Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass alle Paare ihre Aufgaben identisch aufteilen müssen. Entscheidend ist, dass diese Aufteilung bewusst, fair und frei von gesellschaftlichem Druck erfolgt. Jede Person sollte selbstbestimmt entscheiden können, wie sie leben und arbeiten möchte.
Quellen:
https://www.gleichstellung.sachsen.de/equal-care-day-4523.html
https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-03/bertelsmann-studie-elternzeit-maenner-frauen-aufteilung
„Was würdet ihr tun, wenn es einen Tag lang keine Frauen gäbe?“ Diese Frage stellte die Influencerin Isabell Gerstenberger auf Social Media ihren männlichen Followern.
Die Antworten waren recht unspektakulär und reichten „von einfach meinen Tag weiterleben“ über „24 Stunden warten, bis meine Freundin wieder da ist“ bis zu „mit den Jungs rausgehen, mit meinen vergebenen Freunden endlich mal wieder was trinken“. Frauen antworteten auf die Gegenfrage, was sie an einem Tag ohne Männer tun würden, folgendes: nachts alleine rausgehen, ohne Schlüssel in der Hand nach Hause laufen, anziehen, was man möchte. Kurz: sich außerhalb der eignen vier Wände frei und sicher bewegen.
Dieses Gedankenexperiment zeigt, wie unterschiedlich Menschen den öffentlichen Raum erleben. Viele Frauen entwickeln im Alltag Strategien, um sich zu schützen oder vermeiden bestimmte Situationen ganz: Sie wechseln die Straßenseite, vermeiden Blickkontakt, wählen gut beleuchtete Wege oder teilen ihren Standort mit Freund*innen. Am späten Abend alleine im Park joggen? Was für Männer selbstverständlich ist, ist für Frauen in Teilen undenkbar. Menschen erleben also alltägliche Situationen aufgrund ihres Geschlechts unterschiedlich.
Sexismus im öffentlichen Raum zeigt sich nicht nur in bedrohlichen Situationen, sondern auch in scheinbar kleinen Momenten. Im Vorbeigehen wird hinterhergerufen, gepfiffen oder der Körper kommentiert – auch „Catcalling“ (deutsch: Katzen- Rufen) genannt. Dieses Verhalten wird häufig als harmlos dargestellt und runtergespielt. Betroffene macht es jedoch Angst, weil schwer einschätzbar ist, ob die rufende Person auch körperlich übergriffig wird. Es macht deutlich: Der eigene Körper wird ungefragt bewertet und öffentlich gemacht.
Während in Deutschland noch über eine Strafrechtsreform diskutiert wird, ist „Catcalling“ in Spanien und Frankreich strafbar. Die Strafen liegen In Spanien zwischen fünf bis 30 Tagen Hausarrest, gemeinnütziger Arbeit oder einer Geldstrafe von 30 bis 120 Tagessätzen. In Frankreich kann das Verhalten bis zu 1.500 Euro kosten. In besonders schweren Fällen werden bis zu 3750 Euro fällig.
Solche Situationen wirken für sich genommen oft klein. In der Summe machen sie jedoch einen Unterschied. Sie vermitteln, wer spricht und wer gehört wird, wessen Meinung zählt und wessen Grenzen respektiert werden.
Zum öffentlichen Raum gehört auch die digitale Öffentlichkeit. Auch sie ist für Frauen und Mädchen weniger sicher. Sie erleben im Internet zunehmend Hass, Drohungen, sexuelle Belästigung und Gewalt. Besonders betroffen sind Frauen, die sichtbar sind – etwa Politikerinnen, Journalistinnen oder Wissenschaftlerinnen.
Ein aktuelles Thema ist die sogenannte Deepfake-Pornografie. Dabei werden mithilfe von Künstlicher Intelligenz Gesichter realer Personen in pornografische Bilder oder Videos eingefügt, ohne deren Wissen oder Zustimmung. Für Betroffene kann das schwerwiegende psychische Folgen haben. Betroffen sind fast ausschließlich Frauen.
Sexismus im Alltag ist oft subtil und wird deshalb leicht übersehen oder verharmlost. Aussagen wie „War doch nur ein Spaß“ oder „Ist doch nett gemeint“ verschieben die Verantwortung auf die Betroffenen. Entscheidend ist, wie solche Situationen wirken – nicht, wie sie gemeint sind. Ein respektvoller Umgang beginnt damit, Grenzen zu achten und eigene Verhaltensweisen zu hinterfragen. Wer Situationen beobachtet, kann unterstützend eingreifen. Denn ein gleichberechtigter Alltag entsteht nicht von allein, sondern durch Aufmerksamkeit und gegenseitigen Respekt.
Quellen:
https://www.deutschlandfunk.de/deepfake-pornografie-kuenstliche-intelligenz-ki-100.html
In den sozialen Medien sieht man oft perfekt gestylte Körper, glatte Haut und trainierte Figuren. Ein kurzer Blick in den Spiegel – und plötzlich wirkt der eigene Körper nicht mehr „gut genug“. Solche Momente kennen viele Menschen.
Die Vorstellung davon, wie ein „schöner Körper“ auszusehen hat, entsteht nicht einfach individuell. Körperideale werden stark durch gesellschaftliche Vorstellungen geprägt. In Werbung, Filmen und Serien werden oft dieselben Körper gezeigt: dünn, sportlich, jung und meist weiß. Für Frauen und Männer gelten dabei unterschiedliche Maßstäbe. Frauen sollen schlank, gepflegt, rasiert und möglichst makellos sein. Männer hingegen sollen stark, muskulös und leistungsfähig wirken. Wer diesen Bildern nicht entspricht, wird schneller bewertet, kommentiert oder abgewertet.
Frauen und Mädchen erleben eine ständige Bewertung ihres Körpers – unabhängig davon, ob sie im Beruf, im Alltag oder in der Öffentlichkeit auftreten. Kommentare über Gewicht, Haut oder Kleidung, ungefragte „Tipps“ zur Optimierung des Aussehens oder bewundernde Reaktionen nur für bestimmte Körperformen sind Alltag. Auch scheinbar harmlose Aussagen wie „Du siehst toll aus! Hast du abgenommen?“ vermitteln, dass dünn sein erstrebenswert ist. Gleichzeitig suggerieren Selbstoptimierungstipps auf TikTok, Instagram und Co., dass das Aussehen besonders wichtig sei und ständig verbessert werden müsse.
Bei Männern und Jungen spielt das Aussehen gesellschaftlich oft eine weniger große Rolle. Während bei Männern graue Haare oder Falten häufig als „charismatisch“ gelten, werden sie bei Frauen eher als Makel wahrgenommen. Auch Gewichtszunahme oder sichtbares Altern werden bei Frauen stärker kritisiert. Diese doppelten Standards sind Ausdruck von Sexismus.
Diese gesellschaftlichen Ideale bleiben nicht folgenlos. Sie können das Selbstbild und das Wohlbefinden stark beeinflussen. In manchen Fällen tragen sie zur Entstehung von Essstörungen bei. Rund ein Drittel aller Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren zeigen Symptome einer Essstörung. Bei Jungen im gleichen Alter sind des rund 12 Prozent. 93 Prozent der wegen Essstörungen im Krankenhaus Behandelten sind weiblich, davon ca. die Hälfte minderjährig.
Der Druck, bestimmten Schönheitsidealen zu entsprechen, beeinflusst den Alltag vieler Menschen. Viele Frauen und Mädchen investieren viel Zeit, Geld und Energie in ihr Aussehen – etwa in Diäten, Fitnessprogramme, Kosmetik oder Schönheitsbehandlungen. Gleichzeitig können ständige Vergleiche mit unrealistischen Idealen das Selbstwertgefühl schwächen und Unsicherheiten verstärken. Manche vermeiden Fotos, schämen sich für ihren Körper oder ziehen sich sozial zurück. Statt den eigenen Körper als selbstverständlich wahrzunehmen, wird er dauerhaft bewertet und kontrolliert.
Sexismus ist ein System von Erwartungen, das vorgibt, wie Körper auszusehen haben. Es beeinflusst, wie Menschen sich selbst sehen und wie sie von anderen behandelt werden. Ein respektvoller Umgang bedeutet, Körper nicht ungefragt zu bewerten oder zu kommentieren. Langfristig braucht es vielfältigere Bilder von Körpern in Medien und Gesellschaft – und die Anerkennung, dass es nicht den einen „richtigen“ Körper gibt.
Quellen:
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/08/PD25_N041_231.html
https://de.statista.com/themen/10246/essstoerungen/#topicOverview
Unsere Aktionen an vergangenen Diversity-Tagen
Unter dem Motto „Vielfalt geht durch den Magen" wird die PHILIPPUS Leipzig Cafeteria M9 eine Woche lang einen internationalen Speiseplan präsentieren, der die kulinarische Vielfalt der Welt zelebriert. Seien Sie gespannt und schauen Sie gerne vorbei. Den Speiseplan finden Sie ab dem 24. Mai hier.
Gerade im Vorfeld der Landtagswahlen wollen wir sensibilisieren und aufzeigen was Rassismus und Diskriminierung mit unserer Gesellschaft macht. Die Vielfalt unserer Gesellschaft und unsere Demokratie gilt es zu schützen.
Für Mitarbeitende der BBW-Leipzig-Gruppe bieten wir wieder Weiterbildungen an, die sich mit dem Thema Inklusion und gleichberechtigter Teilhabe und geschlechtliche Vielfalt und Selbstbestimmung auseinandersetzen.
Fortbildung: Geschlechtliche Vielfalt begleiten
Was ist eigentlich Geschlecht? Wie viele gibt es? Woher wissen Menschen, welches Geschlecht sie haben? Und hat das nun mit Körpern zu tun? Adam Williams vom Rosalinde Leipzig e.V. wird in einem Vortrag diese Fragen näher beleuchten und gemeinsam mit den Mitarbeitenden diskutieren, was es bedeutet, trans-, inter- oder nicht-binär zu sein. Es werden Erfahrungen von nicht-binären Personen sowie trans- oder inter-nicht-binären Personen beleuchtet und rechtliche oder auch soziale Aspekte erörtert, um die eigene Geschlechtlichkeit ausleben zu können.
Webinar: „INKLUSION IM QUEERFORMAT“
Wie lässt sich sexuelle Orientierung, geschlechtliche Selbstbestimmung und eine gleichberechtigte Teilhabe in Einrichtungen und Institutionen für Menschen mit Behinderung bedürfnisgerecht umsetzen?"
Veranstalter: Evangelischer Fachverband für Teilhabe (BeB)
11. Diversity-Tag 2023
Anlässlich des Diversity-Tages (Tag der Vielfalt) am 23.05.2023 unter dem Motto „Flagge für Vielfalt“ möchten wir auf die Chancen der Vielfalt aufmerksam machen. Teilhaben lassen anstatt zu diskriminieren! Wir setzen uns für eine diskriminierungsfreie Arbeitsumgebung ein. „Um dies zu erreichen, setzen wir konkrete Maßnahmen um, die darauf abzielen, eine offene, tolerante, respektvolle Unternehmenskultur zu fördern und ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Bedeutung von Vielfalt und Inklusion zu schaffen“, so Christine Heuer, Leiterin der Unternehmenskommunikation der BBW-Leipzig-Gruppe.
Täglich sind Menschen unterschwelligen Kränkungen ausgesetzt, besonders betroffen davon sind People of Color, LGBTQI+, sozialbenachteiligte, muslimische Personen oder auch Menschen mit Behinderung. Diese unterschwelligen Kränkungen bezeichnet man auch als Mikroaggressionen. Oft sind es ganz subtile unbewusste Äußerungen oder Handlungen.
Behindertenfeindliche Bemerkungen sind z. B. "Kannst du das überhaupt?" oder "Du machst das sehr gut für jemanden in deiner Lage". Intern und extern soll weiter für ein respektvolles Miteinander sensibilisiert werden. „Für Mitarbeitende wird ein Seminar mit anschließendem Austausch mit der Psychologin und Trainerin Dr. Amma Yeboah als führende Expertin für das Thema Mikroaggressionen angeboten“, berichtet Christine Heuer weiter. Im Laufe des Jahres sollen weitere Workshops zum Thema Vielfalt und Diskriminierung angeboten werden. Bereits mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt, einer Initiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen, hat die BBW-Leipzig-Gruppe 2019 ein klares Zeichen für Vielfalt und Toleranz in der Arbeitswelt gesetzt.
Aktionen zum Diversity-Tag 2023
- Social Media-Kampagne zum Thema Diskriminierung
- Informationsreihe im Mitarbeitendenmagazin zum Thema Mikroaggressionen
- Seminar und Austausch für Mitarbeitende mit der Psychologin und Trainerin Dr. Amma Yeboah als führende Expertin für das Thema Mikroaggressionen
- Beiträge zum Thema Diversität auf den Social-Media-Kanälen der BBW-Leipzig-Gruppe
- Internationale Woche in der Mensa des Berufsbildungswerkes: Speisen aus aller Welt kennen lernen
2022
Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Diversity-Tags am 31. Mai 2022 finden die Aktionen der BBW-Leipzig-Gruppe unter dem bundesweiten Motto „Celebrate Diversity“ statt.
Diese Aktionen laufen im Monat vor dem Diversity-Tag und am Tag selbst:
- Informationsreihe im Mitarbeitendenmagazin zu Themen von Diversity: Dimensionen und Chancen von gelebter Vielfalt, Umfrage unter Mitarbeitenden zum Thema Diversität
- interne Angebote zur Weiterbildung
- Beiträge zum Thema Diversität auf den Social-Media-Kanälen der BBW-Leipzig-Gruppe
- Aktionen mit Teilnehmenden des Berufsbildungswerkes, bspw. Themenreihe "Religionen kennen lernen"
- Internationale Woche in der Cafeteria M9 der PHILIPPUS Leipzig gGmbH und der Mensa des Berufsbildungswerkes: Speisen aus aller Welt kennen lernen - "...weil Vielfalt einfach besser schmeckt!"
2021
"Rassismus und White Privilege in Deutschland" lautete der Titel des Vortrags, der im Rahmen des Diversity-Tages 2021 für Mitarbeitende der BBW-Leipzig-Gruppe angeboten wurde. Durchgeführt wurde die Veranstaltung vom misc – Agentur für kulturellen Wandel.
Rassismus ist allgegenwärtig in Deutschland. Öffentliche Diskussionen zur Thematik führen allerdings oft in Sackgassen und zu verhärteten Fronten, anstatt die Problematik konstruktiv anzugehen. Dabei zeigt sich oftmals eine Diskrepanz in der Wertung von Rassismus zwischen Menschen, die keine Rassismuserfahrungen machen und denjenigen, die von dem Phänomen betroffen sind. Aber was genau ist eigentlich Rassismus und in welchen Formen zeigt er sich? Was hat das mit White Privilege zu tun? Was kann ich als weiße Person gegen Rassismus tun?
Für die Mitarbeitenden war der Vortrag eine gute Gelegenheit, einen ersten Überblick und Einstieg in das Thema zu schaffen und die Grundlage für eine erste Sensibilisierung.
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